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02.01.2013, 21:58 Uhr | Ostfriesen-Zeitung vom 02.01.2012, Seite 9 von Rudi Meyer
Berichterstattung der OZ vom 02. Januar 2012 von Rudi Meyer
"Wer gewinnen will, muss anpacken können"
"Die Christdemokratin wurde jetzt für zwei Monate von ihrem Arbeitgeber freigestellt – ohne Anspruch auf Gehaltsfortzahlung.

von Rudi MeyerAurich - Die 39-jährige Sandra Erfmann aus Großefehn ist ziemlich im Stress: (...)"

Ostfriesen-Zeitung vom 02.01.2012, Seite 9 von Rudi Meyer
\"Sandra Erfmann (CDU) und Wiard Siebels (SPD) wollen in den Landtag gewählt werden.\" -

"60 bis 70 Stunden pro Woche ist die CDU-Landtagskandidatin aus Großefehn derzeit unterwegs. „In den Monaten davor war das noch schlimmer. Da bin ich tagsüber meiner Arbeit als Bankkauffrau nachgegangen“, sagt Erfmann. Wahlkampf in eigener Sache habe da erst in den Abendstunden und an den Wochenenden stattgefunden. Jetzt wurde sie von ihrem Arbeitgeber für zwei Monate ohne Anspruch auf Gehaltsfortzahlung freigestellt. „Ich habe gewusst, was da alles auf mich zukommt“, sagt die 1,87 Meter große blonde Frau, die selbst bei der Aufstellung der Wahlplakate nichts dem Zufall überlässt. Mit zahlreichen ehrenamtliche Helfern aus den CDU-Ortsverbänden ihres Wahlkreises bringt sie die Plakate an. Da wechselt sie dann auch schon mal die eleganten Schuhe gegen ein paar Gummistiefel, um auf einer nassen Weide ein überdimensionales Wahlplakat von sich aufzustellen.

„Wahltag ist am 20. Januar. Bis dahin gilt es, um jede Stimme zu kämpfen“

Etwas ruhiger, aber nicht weniger engagiert ist ihr Kontrahent von der SPD, Wiard Siebels, unterwegs. „Ich kann auf Erfahrungen aus dem letzten Wahlkampf zurückgreifen“, sagt der  34-jährige Auricher. Das bedeute aber keinesfalls, dass man „sich zurücklehnen kann“. Es sei gefährlich zu glauben, dass die Wahl bereits zu seinen und zu den Gunsten seiner Partei gelaufen sei, sagt Siebels. „Wahltag ist am 20. Januar. Bis dahin gilt es, um jede Stimme zu kämpfen.“ Siebels ist dafür landauf, landab mit seinem Wahlkampf-Auto unterwegs.

Einen Vorteil gegenüber seiner Mitbewerberin von der CDU will der SPD-Landtagsabgeordnete denn aber doch noch eingestehen. „Auf Abendveranstaltungen muss ich mich nicht mehr inhaltlich so intensiv vorbereiten, wie das bei meinem ersten Wahlkampf 2008 der Fall war. Als Landtagsabgeordneter bin ich inzwischen mit vielen Themen vertraut.“

„Bis zum letzten Tag kämpfe ich um jede Stimme“, meint Erfmann

„Ich möchte mich weiterhin für die Region engagieren“, erklärt Siebels kurz und knapp seine Motivation. Für ihn ist Politik inzwischen zu einem wesentlichen Teil seines Lebens geworden. Ein Weg, zu dem er sich bereits als Jugendlicher entschlossen hat.

Zu gerne würde Siebels mit der SPD heraus aus der Oppositionsrolle in die Regierungsverantwortung wechseln. „Die Chancen stehen gut“, meint er. Aber weder er noch Sandra Erfmann lassen sich von Umfragewerten beeinflussen. „Bis zum letzten Tag kämpfe ich um jede Stimme“, meint Erfmann, geht zum Kleinlaster und schleppt mit einem Parteifreund eine Stellwand auf ein freies Feld. Dass sie dabei mit ihren Gummistiefeln bis über die Knöchel im Schlamm einsinkt, stört sie nicht. „Wahlkampf ist eben nicht nur Redenschwingen“, sagt sie und lacht. „Wer gewinnen will, muss auch anpacken können.“"